Wie eine verspätete Zahlung mein eBanking in einen Escape Room verwandelte

Ich habe mich vor etwa einem Monat dazu entschieden, ein neues, modernes Bankkonto zu eröffnen. Eine Onlinebank sollte es sein, eine ohne teure Filialen, dafür mit einem sauberen Web‑GUI und zeitgemässen digitalen Dienstleistungen.

So zumindest die Werbung. Und eine AI empfahl mir dieses Institut sogar ausdrücklich: Swissquote sei zwar ursprünglich als Tradingplattform für Börsen‑ und Devisenhandel entstanden, biete inzwischen aber auch ganz normale Konten mit dem üblichen Zahlungsverkehr an.

Gesagt, getan. Ich eröffnete also ein Konto, erhielt eine IBAN und bestellte mir eine kostenlose virtuelle Debitkarte, die ich ins Google Wallet integrierte. Damit bezahlte ich bereits mehrfach kleine Beträge im Laden. Sehr angenehm: Handy ans Terminal halten, fertig. Ich war zufrieden.

Ich erfasste auch gleich alle Daueraufträge und Rechnungen per Ende Monat bzw. auf den ersten des Folgemonats und wartete auf die Auszahlung meines Einkommens, das normalerweise am 1. kommt.

Nun, dieser Monat natürlich nicht. Und das hatte Folgen.

Der Morgen danach

Heute früh sah ich eine E‑Mail: Eine Zahlung konnte nicht ausgeführt werden. Hrrmpf.

Ich loggte mich ein — und sah, dass keine einzige der rund ein Dutzend Zahlungen ausgeführt worden war. Mein regulärer Zahlungseingang war wieder einmal verspätet. Leider kommt er nicht immer zuverlässig am gleichen Tag.

Also bat ich meine Frau, mir rasch etwas Geld zu schicken. Sie tat das gerne: Sofortüberweisung, innert Sekunden war mein Konto wieder im Plus.

Nun stellte sich die Frage: Wie reaktiviere ich die fehlgeschlagenen Zahlungen?

Im Browser sah ich sie alle schön aufgelistet unter „Bitte überprüfen“. Einige wenige waren als „Storniert“ markiert. Warum?

Aha: Die „Stornierten“ kamen via eBill. (Für meine deutschen Leser: eBill ist ein Schweizer System, bei dem Firmen Rechnungen direkt ins eBanking schicken. Man sieht sie dort, kann sie prüfen und mit einem Klick freigeben. Sehr praktisch — wenn es funktioniert.)

Diese eBill‑Rechnungen konnte ich im eBill‑System reaktivieren — allerdings nicht gleichentags, sondern erst am nächsten Tag. Gut, damit kann ich leben.

Die „Bitte überprüfen“-Zahlungen hingegen hatte ich manuell erfasst oder via QR‑Code eingelesen. Ich erwartete eine „Reaktivieren“-Funktion. Fehlanzeige. Beim Öffnen einer solchen Zahlung gab es nur einen Button: „Löschen“.

Der Hotline‑Moment

Ich rief die Hotline an. Der Mitarbeiter erklärte mir, dass man diese Zahlungen nicht reaktivieren könne. Ich müsse sie alle neu erfassen. Es tue ihm leid, aber er könne nichts dafür.

Mein Blutdruck stieg.

Die manuelle Hölle

Also zwei Browserfenster nebeneinander:

Links: die schiefgegangene Zahlung. Rechts: das Formular für eine neue Zahlung.

Und dann:

  • Links IBAN kopieren → rechts einfügen
  • Links Empfängername kopieren → rechts einfügen
  • Links Empfängeradresse? Wird nicht angezeigt. Rechts aber Pflichtfeld.

Also die KI bemüht: „Gib mir die Adresse von <Firma>.“ Adresse kopiert, Feld für Feld eingetragen.

Weiter.

Zweite Formularseite: Quellkonto wählen, Ausführungsdatum setzen.

Weiter.

Fehler.

Kein Fehler sichtbar. Zurück. Aha: Ein neues Pflichtfeld „Referenznummer“. Links wird sie nicht angezeigt. Glücklicherweise hatte ich diesen Dauerauftrag noch bei der alten Bank und konnte dort nachschauen.

So ging es Zahlung für Zahlung weiter. Manche Adressen fand ich in meinen Kontakten, manche wusste die KI.

Immerhin wurden die Zahlungen diesmal sofort ausgeführt. Der Saldo schrumpfte, aber das war ja das Ziel.

Der Moment des Schmerzes

Nachdem alles erledigt war, wollte ich die alten, schiefgegangenen Zahlungen löschen.

Eine „Storniert“-Zahlung geöffnet: kein „Löschen“-Button. Klar, eBill.

Eine „Bitte überprüfen“-Zahlung geöffnet: „Löschen“ gefunden. Geklickt.

Und dann erscheint ein Fenster:

„Möchten Sie eine neue Zahlung erfassen mit den Daten der gelöschten Zahlung?“

AAAAHHHH!!!

Wer kommt auf die Idee, die Reaktivieren‑Funktion hinter dem Löschen‑Button zu verstecken?! Und der Helpdesk wusste das nicht einmal. Oh Mann…

Und jetzt wird’s richtig absurd

In den „Nachrichten“ der Bank fand ich zufällig eine Mitteilung:

Ich hätte eine Zahlung an eine thailändische Bank erfasst. Dafür müsse ich angeben:

  • in welcher Beziehung ich zum Empfänger stehe
  • wozu die Zahlung dient
  • welche vertraglichen Belege es gibt

Und ausserdem müsse ich das Formular W‑8BEN der US‑Steuerbehörde IRS ausfüllen, um zu bestätigen, ob ich in den USA steuerpflichtig sei.

Häh? Was hat eine Überweisung nach Thailand mit der IRS zu tun?

Ich rief wieder die Hotline an — derselbe Mitarbeiter. Er meinte:

  • Der Anhang sei „vergessen gegangen“.
  • Ich müsse das Formular ausdrucken, handschriftlich ausfüllen, unterschreiben, einscannen und zurückschicken.
  • Die Fragen seien von der FINMA vorgeschrieben.
  • Jede grenzüberschreitende Zahlung erfordere eine IRS‑Deklaration.

Na gut. Ich füllte alles aus (Empfänger ist meine Frau, Zweck: Unterstützung der Schwiegermutter, keine schriftlichen Belege, es bleibt in der Familie).

Dann wollte ich das Formular hochladen.

Das Kontaktformular – ein eigenes Kapitel

Ich schrieb die Nachricht, wählte den Anhang, klickte „Senden“.

Das System rödelte. Und rödelte. Und rödelte.

Nach 15 Minuten wurde ich ausgeloggt.

Ich dachte, der Scan sei vielleicht zu gross. Also Screenshot gemacht, auf 800 KB reduziert. Wieder versucht.

Diesmal kam sofort:

„Leider konnten wir den Vorgang nicht durchführen.“

Mehrmals probiert. Keine Chance.

Also eine Mail an support@swissquote.ch geschickt — ohne Anhang, aber mit Hinweis, dass ich ihn separat sende.

Eine Minute später kam folgende automatische Antwort zurück:

IHRE ANFRAGE WURDE NICHT WEITERGELEITET!

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde

Diese Antwort wurde automatisch erstellt. Ihre Anfrage hat unser Helpdesk NICHT erreicht. Aus Sicherheitsgründen bearbeiten wir nur Anfragen, welche über unser Kontaktformular unter https://de.swissquote.com/support aufgegeben wurden.

Besten Dank für Ihr Verständnis.

Freundliche Grüsse Ihr Swissquote‑Team

IHR IDIOTEN! Das funktioniert ja nicht!

Also wieder Hotline. Der Mitarbeiter lachte und sagte:

„Ja, das ist ein bekanntes Problem. Sie müssen als Kategorie Konto‑Eröffnung wählen. Dann können Sie Anhänge mitschicken.“

Natürlich. Wie konnte ich das übersehen.

Damit klappte es dann tatsächlich.

Fazit

Ich hatte gedacht, das eBanking dieser neuen Bank sei viel besser und flüssiger als das meiner alten Raiffeisenbank.

Wie ich lernen musste, lag ich weit daneben.

Es ist offensichtlich Bananensoftware: Reift beim Kunden.

Dies ist ein persönlicher Erfahrungsbericht. Andere Kunden mögen andere Erfahrungen machen.

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