Medizinisches Abenteuer

Ich möchte von meinem medizinischen Abenteuer vom Mittwoch, 10. Dezember 2025 erzählen.

Vorweg: Es geht mir wieder gut!

Am Dienstag Abend beim Zubettgehen stellte ich fest, dass ich beim Einatmen Schmerzen in der Lunge habe. Je voller die Lunge, desto schmerzhafter; bei leerer Lunge kein Schmerz. Am Morgen beim Aufwachen hatte meine rechte Schulter ungewöhnlich geschmerzt. Ich schlafe fast immer auf meiner linken Seite, damit meine Frau rechts von mir weniger von meinem Schnarchen gestört wird. Dass beim Schlafen auf der linken Seite die rechte Schulter schmerzt, fand ich aussergewöhnlich. Im Laufe des Tages vergass ich das aber wieder. Bis, wie gesagt, am Abend plötzlich dieser Lungenschmerz beim Einatmen war. Ich erzählte es meiner Frau und bat sie um eine Rückenmassage mit besonderem Fokus auf der rechten Schulter. Sie liess mir also eine kräftige Thai-Massage zukommen. Das war zwar soweit eine gute Sache, brachte mir aber keine Linderung beim Einatmen-Lungenschmerz.

Nach einer Weile im Bett, in der ich keine Ruhe fand und mich immer wieder hin und her wälzte, entschied ich mich, mich auf das Sofa zu verziehen, um wenigstens meiner Frau Schlaf zu gönnen. Selber fand ich aber kaum Schlaf in dieser Nacht. Und als am Morgen der Atemschmerz nach wie vor da war, und zwar eher noch stärker als am Vorabend, entschied ich mich, die Sache einem Arzt zu zeigen.

Bei meinem Hausarzt erhielt ich einen Termin um 13:30 und fuhr pünktlich mit dem Bus hin. Dieser hörte sich meine Lage an, machte eine Blutanalyse und ein EKG und meinte, eine Lungenentzündung könne er aufgrund des Bluttests schon mal ausschliessen. Ein Herzinfarkt dürfte es aufgrund des EKG auch nicht sein. Weitere Diagnostik sei notwendig, etwa ein CT, wofür er in seiner Praxis aber nicht ausgerüstet sei. Dafür solle ich ins nächste Spital gehen. Er wolle kurz telefonieren und die Angelegenheit besprechen und mich dann wissen lassen, wohin genau ich gehen solle. Ich solle draussen warten. Zehn Minuten später holte er mich wieder rein und sagte, er habe mit dem Triemli, einem grossen Stadtspital im Westen Zürichs, abgemacht, dass ich mich da so rasch als möglich in der Notfallstation melden und dort den CT sowie möglicherweise weitere Untersuchungen machen lassen solle. Dann redeten wir darüber, wie genau ich dorthin gelange.

Dummerweise war, als mir die Praxisassistentin den EKG abnahm und ich dafür meine Schuhe ausziehen musste, weil sie auch eine Elektrode an den Beinen anbringen wollte, mein Schuh kaputtgegangen, und ich nahm mir vor, auf der Heimfahrt bei einem Schuhmacher vorbeizugehen und ihn reparieren zu lassen. Ich sagte also zum Arzt, ich hätte mir vorgestellt, dass ich die Strecke mit Hilfe des direkten Buses in rund 25 Minuten auf mich nehmen wolle, und unterwegs noch beim Schuhmacher, der direkt an der Strecke liege, Zwischenstation machen und meinen kaputten Schuh reparieren lassen wolle. Der Arzt wurde fast nervös und meinte, nein, das fände er nicht gut, ich solle vielmehr ohne Umschweife so schnell wie möglich in die Notfallstation fahren. Er würde mir eine Ambulanz rufen, aber die sei halt sehr teuer. Er empfehle mir, das Geld für eine Taxifahrt auszulegen.

Da merkte ich, der nimmt die Sache ernst und meint offensichtlich, es vertrage keinen Aufschub. Ich selbst empfand die Lage nicht als so dramatisch, konnte durchaus atmen, und wenn ich nur leicht atmete ging es auch fast schmerzfrei, nur tief einatmen ging mit Schmerzen. Also versprach ich ihm, ein Taxi zu nehmen und verliess die Praxis.

Auf der Strasse wollte ich zunächst eine Fahrt mit Bolt, einem Fahrdienst ähnlich wie Uber, buchen. In der App wollten aber mehrere Fahrer die Fahrt nicht annehmen. Eine Zürcher Taxi-App hatte ich zwar vor längerer Zeit installiert, aber noch nie benutzt, und die App wollte mich deshalb zuerst langatmig registrieren, bevor sie einen Fahrtwunsch verarbeiten wollte. Da sah ich direkt gegenüber, vor dem Bahnhof Altstetten, ein Taxi stehen. Ich ging darauf zu, klopfte an die Scheibe, und fragte den Fahrer, ob er mich zum Triemli fahren könne. Er sagte, ja, und ich stieg ein. Die Fahrt dauerte rund 15 Minuten und kostete Fr. 30.- und er lieferte mich direkt vor dem Eingang der Notfallstation ab.

Dort musste ich zuerst fünf Minuten warten, bis jemand Zeit hatte, sich meiner anzunehmen. Nachdem ich meinen Fall geschildert hatte, setzte man mich in einen Rollstuhl und fuhr mich nach hinten in den Behandlungsbereich (obwohl ich meiner bescheidenen Meinung nach problemlos hätte selber gehen können, durfte ich das nicht). Dort musste ich den Oberkörper freimachen, ein Krankenhaushemd anziehen, bekam wieder Blut abgenommen und ein EKG gemessen. Nachdem mich eine Assistenzärztin ausgiebig nach Symptomen befragt hatte, und einer Wartezeit, bis das CT frei war, kam ich da rein und wurde mehrmals durch die Röhre hin und her geschoben. Dann wieder zurück in den Behandlungsbereich.

Dann erhielt ich die Diagnose mitgeteilt: Man habe diverse Sachen untersucht. Herzinfarkt: Nein. Aortaektasie (krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader) unauffällig, Keine Entzündungen, Atemwege frei, kein Pleuraerguss (krankhafte Flüssigkeitsansammlung zwischen Lungen- und Rippenfell), kein Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel), keine Lungenarterienembolie (Verschluss eines Lungengefässes durch Blutgerinnsel). Kurz gesagt: Man habe alle möglichen Sachen untersucht, und es sei alles „gefährliche“ ausgeschlossen worden. Insofern kein sofortiger grösserer Behandlungsbedarf. Man schlage vor, im Moment einfach Symptome zu behandeln in Form von Schmerzmitteln, sprich Abgabe von Paracetamol.

Ich erhielt noch eine intravenös verabreichte Dosis von Paracetamol sowie ein Rezept für dasselbe Medikament, einlösbar bei der Apotheke meiner Wahl. Ausserdem werde man die Untersuchungsresultate meinem Hausarzt mitteilen, der noch eine Nachbesprechungssitzung mit mir vereinbaren werde.

Damit durfte ich die Notfallstation verlassen und fuhr mit dem Bus nach Hause. Vorher erbettelte ich noch von der Krankenschwester ein bisschen medizinisches Klebeband, das ich um meinen kaputten Schuh wickelte, damit ich nicht allzusehr bei jedem Schritt schlurfen musste. Das war ungefähr um 20:30. Um 21 Uhr war ich Zuhause. Ich hatte somit den ganzen Nachmittag seit 13 Uhr damit verbracht, mich um meine Gesundheit zu kümmern. Meine defekten Schuhe brachte ich erst am nächsten Tag zum Schuhmacher in meiner Nähe, der sie für Fr. 25.- in zwei Stunden reparierte.

Ich kann feststellen: Wenn ein 63-jähriger Mann zum Arzt geht und über Schmerzen in der Brust klagt, die beim Atmen entstehen, dann wird das sehr ernst genommen, sowohl vom Hausarzt als auch von den Ärzten in der Notfallstation. Dann wird alles unternommen, die grosse Diagnostikmaschinerie angeworfen, um herauszufinden, was da los sein könnte, selbst wenn sich am Ende herausstellt, dass es nichts ist, was unmittelbar behandelt werden muss und kann. Womöglich ist es am Ende psychosomatisch, bedingt durch meine inzwischen mehrmonatige Arbeitslosigkeit – aber das ist eine Geschichte für sich, die ich ein andermal erzählen werde.

Am Nachbesprechungstermin mit meinem Hausarzt meinte er, das sehe alles gut aus. Er möchte mich noch zu einem Ultraschalluntersuch der Aorta schicken, weil eine leicht erweiterte Aorta festgestellt worden sei. Diese müsse nicht sofort behandelt werden, aber falls sich das verändere, dann möglicherweise schon. Deshalb jetzt eine Referenzmessung machen und in einem Jahr eine Kontrollmessung. Wenn sich dann keine wesentliche Veränderung, könne man das Thema zur Seite legen.

Gesagt, getan. Eine Woche später liess ich mir die Aorta per Ultraschall ausmessen. In einem Jahr sehen wir weiter.

Einstweilen bin ich froh, dass nichts Ernsthaftes vorliegt und ich das einfach mit Paracetamol behandeln kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

css.php